Geschichtlicher Überblick
Die Geschichte unserer Heimat beginnt eigentlich mit der Rieskatastrophe vor 15 Millionen Jahren. Ein Meteorit schlug in die Kalkfelsen der Alb einen Krater von etwa 22 km Durchmesser. Dieser Krater füllte sich mit Wasser, aus dem nur der Sprudelkalkfelsen von Wallerstein hervorragte. Der See entleerte sich allmählich bei Harburg. Das weitgehend waldfreie Ries wurde früh besiedelt. Die ersten Menschen haben unsere Heimat in der Steinzeit betreten (älteste Funde in der Ofnethöhle). Reste aus der Jungsteinzeit sind für das nahe Maihingen nachweisbar. Dort fanden sich auch Spuren keltischer Besiedlung.
Um 100 n. Chr. hat Kaiser Trajan das fruchtbare Ries erobert, der Provinz Rätien einverleibt und durch den Limes gesichert. Aus dieser Zeit stammt ein römisches Brandgrab, das an der Straße von Birkhausen nach Maihingen gefunden wurde. Im dritten Jahrhundert begannen die Alamanneneinbrüche; 283 gingen der Limes und sein Hinterland endgültig an die Alamannen verloren. Um 350 wurden die Alamannen allmählich seßhaft ("ingen", "heim" Orte; erste Reihengräberfriedhöfe im Ries).
Um 500 n. Chr. drangen die Franken bei uns ein. Von dieser Zeit an beginnt die Christianisierung des Rieses, möglicherweise vom Kloster Heidenheim am Hahnenkamm her, wo die Heiligen Willibald und Wunibald und die heilige Walburga verdienstvoll wirkten. Während der Regierung Karls des Großen, der im Jahre 800 zum Kaiser gekrönt wurde, war das Ries schon lange fester Bestandteil des fränkischen Reiches.
Das Dorf Birkhausen dürfte zwischen 700 und 1000 n. Chr. entstanden sein. Die Markungen der alten "ingen"-Orte haben gewöhnlich etwa 4000 Morgen (Nördlingen 4278). Birkhausen verfügte nur über 1359 Morgen und ist als Spätsiedlung anzusehen. Für die Entstehung des Dorfes waren entscheidend: Die Altstraße, die von Bollstadt über Schmähingen und Nördlingen kommend, am Judenfriedhof vorbei, über Birkhausen weiter nach Maihingen, Utzwingen usw. führte,das Vorhandensein von Wasser (Steinbach),die gute Bonität des Bodens.
Um 1120 wird ein "Cunradus de Wallerstein" Wallerstein hieß die Burg, der Ort dagegen bis etwa 1500 Steinheim) als Burghüter genannt. Die Burg auf dem Felsen war Eigentum der Hohenstaufen. Mit dem Niedergang dieses Geschlechts gelangten die Grafen von Oettingen 1261 In den Besitz der Veste. Als Sachwalter des Königs übten die Grafen von Oettingen herrschaftliche Rechte aus. Sie bauten Burgen, hielten Gericht, erhoben Zölle, nahmen das Jagdrecht in Anspruch, boten den Heerbann auf und hatten auch ein Anrecht auf Abgaben und Dienste ihrer Untertanen.
Zunehmende Lasten und der Einfluß reformatorischer Gedanken führten 1525 zum Bauernkrieg. Unter den aufständischen Rieser Bauern waren auch 18 aus Birkhausen, die als Mitglieder des Deininger Haufens "den halben Batzen" gelegt haben. Das Unternehmen endete tragisch, die unzureichend bewaffneten und schlecht geführten Bauern wurden bei Ostheim vernichtend geschlagen.
Die Reformation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte für das Ries tiefgreifende Folgen. Graf Martin von Oettingen-Wallerstein blieb der katholischen Religion treu und seine Untertanen mit ihm (der Landesherr konnte damals das Bekenntnis bestimmen), während die Linie Oettingen?Oettingen sich der Reformation anschloß. Die Auseinandersetzungen um den rechten Glauben führten zum Schmalkaldischen Krieg (1546?1547), unter dem auch das Ries zu leiden hatte. Am 3. August 1546 schlug Landgraf Philipp von Hessen bei Birkhausen "unterhalb an das Dorf hinan" sein Lager auf, was für den Ort mit beschwerlicher Einquartierung und Ablieferung von Nahrungs? und Futtermitteln verbunden war.
1618 brach der 30jährige Krieg aus, der im Verlauf von drei Jahrzehnten die Rieser Bevölkerung durch Brandschatzung, Einquartierung, Plünderung und Pestilenz in unsägliche Not versetzte und zur Verödung ganzer Orte geführt hat. Im September 1632 zogen die Schweden 'mit ihrem König Gustav Adolf von Dinkelsbühl her kommend durch das nahe Wallerstein. Der König ritt einen Schimmel, hatte die Montur eines gemeinen schwedischen Soldaten und unterschied sich von seinem Gefolge nur durch eine hohe weiße Feder auf seinem grauen Hut. Das Heer zog weiter nach Nördlingen, wo die Schweden zwei Jahre später eine vernichtende Niederlage hinnehmen mußten. 1643/44 schlugen die kurbayerischen Truppen in der Grafschaft Oettingen?Wallerstein ihr Winterquartier auf. Im August drangen die Franzosen von Fremdingen her ins Ries ein und stießen zwischen Birkhausen und Wallerstein gegen Alerheim vor, wo die Bayern in einer blutigen Schlacht geschlagen wurden. Nach ihrem Sieg zogen die Franzosen raubend und plündernd durch das schutzlose Land. 1648 schließlich wurde die Burg auf dem Wallersteiner Felsen durch die Schweden in Brand geschossen, erobert und gesprengt. Zusammen mit den Franzosen richteten diese, insbesondere in der Grafschaft Oettingen-Wallerstein, furchtbare Verheerungen an. Hatte man hier 1624 noch 3503 Haushaltungen gezählt, so waren es 1653 nur noch 1578.
Weitere Drangsale brachte der Spanische Erbfolgekrieg von 1701-1714, der mit der Schlacht von Höchstädt im Jahre 1704 entschieden wurde. Von Birkhausen ist folgende Klage überliefert: "Sie reiten und fahren muthwillig durch das Getreyd, nehmen Hühner und Gänse hinweg und schießen in die Schafherden."
Auch in den Napoleonischen Kriegen um 1800 ist das Ries Kampfplatz gewesen. Es wurde von französischen Truppen überschwemmt und ausgesaugt. General Moreau verlangte vom Fürstentum Oettingen-Wallerstein 48403 Gulden; alle Kriegslasten zusammen beliefen sich schließlich auf 302170 Gulden und 30 Kreuzer.
Mit der Gründung des Königreiches Bayern (von Napoleons Gnaden) verlor das Fürstentum Oettingen 1806 seine Selbständigkeit. Der Anschluß an das Königreich brachte der Herrschaft empfindliche Einbußen und den Bauern keine wesentliche Veränderung ihrer Lage, Die Grundlasten (Abgaben und Dienste) waren geblieben und führten mehr Lind mehr zu einer allgemeinen Unzufriedenheit, die im Revolutionsjahr 1848 in Stadt und Land ihren Höhepunkt erreichte.
Was sich anfänglich wie ein Volksaufstand ausnahm, endete jedoch überraschend versöhnlich: die von den 205 Deputierten aus 65 Gemeinden erhobenen Forderungen wurden nach entsprechenden Verhandlungen im Gasthaus zum Hirsch (heute Englisches Institut) vom Fürsten von Oettingen-Wallerstein im wesentlichen angenommen.
Die Deputierten erkannten dabei an, daß das fürstliche Haus mit dem Verzicht auf jahrhundertealte Rechte "große Opfer" bringe, und versprachen, "ihm die alte Liebe und Anhänglichkeit zu bewahren." Insgesamt wurde das Ergebnis der Verhandlungen "von der ganzen Versammlung mit allgemeiner Dankbarkeit und Freude aufgenommen und Seiner Durchlaucht dem Fürsten ein donnerndes Lind stürmisches Vivat' ausgebracht." Für die Gemeinde Birkhausen wurde die Urkunde vom 23. März neben dem Gemeindevorsteher Offinger von Simon Bosch, Martin Faußner und Matthäus Kugler unterzeichnet.